Autor: Home Stories

Comfort, 47

Der englische Begriff „comfort“ bedeutet sowohl Komfort als auch Trost. Als Mutter von sechs Kindern ist Comfort – Nomen est Omen – also geradezu prädestiniert, Trost und Behaglichkeit zu spenden. Doch die vergangenen Monate haben der 47-jährigen Ghanaerin sehr zugesetzt – genauso wie ihren Kindern.

Jude, 31

Am ersten Weihnachtstag 2011 verübt die radikal-islamische Terrororganisation Boko Haram in mehreren Städten Nigerias Bombenanschläge auf christliche Kirchen. In Madalla, unweit der nigerianischen Hauptstadt Abuja, explodiert eine Autobombe vor der St. Theresa Catholic Church. Mehr als 35 Menschen sterben – darunter vier von Judes Brüdern. „Einer meiner Brüder, meine schwangere Frau und ich sind an diesem Tag nicht zur Kirche gegangen, weil sich meine Frau nicht wohlfühlte. Kurz nachdem die anderen zur Weihnachtsmesse gegangen waren, gab es eine laute Explosion. Wir lebten in der Nähe der Kirche – das Dach unseres Hauses flog weg, so stark war die Explosion. Meine Frau wurde ohnmächtig. Es war grauenvoll. Wir hörten Schreie. Lärm. Sahen das Chaos. Wir wussten nicht, ob meine Mutter und meine Brüder überlebt hatten.“ Die lokalen Behörden sind völlig überfordert. Es gibt keine ausreichende medizinische Versorgung für alle Opfer, vor allem fehlt es an Krankenwagen, um die Verletzten in die umliegenden Hospitäler zu bringen. Als Faith, Jude und sein Bruder zum nächsten Krankenhaus eilen, erfahren sie, dass Mutter und Brüder unter den Vermissten sind. Nach …

Radomir, 67

In seinem früheren Leben war Radomir ein Meisterkoch, in den 80er Jahren zählte er mehrmals zu den Erstplatzierten in nationalen Kochbewerben. Er arbeitete in Hotels und Restaurants auf dem gesamten Balkan, einige Jahre sogar in Bonn, weshalb er heute Anspruch auf eine minimale deutsche Rente hat. Doch als der Krieg Anfang der 90er Jahre über die Balkanstaaten hereinbrach, änderte sich alles.

Hassam, 22

Hassam stammt aus Herat in Afghanistan; er wird nur wenige Jahre vor dem verheerenden Krieg geboren. Als er 10 Jahre alt ist, ändert sich sein Leben schlagartig: Eine amerikanische Fliegerbombe zerstört das Haus seiner Familie. Seine Schwester kommt dabei zu Tode, er und sein Bruder werden schwer verletzt.

Mohammad, 31

Mohammads Geschichte beginnt wie die vieler anderer Menschen  im kriegszerrütteten Syrien. Geboren und aufgewachsen in Damaskus, leidet er unter dem Krieg und beschließt 2014, alleine die gefährliche Flucht nach Europa zu wagen. Er lässt ein ganzes Leben zurück: seine Eltern und seine Geschwister, seinen Job als Maler und Dekorateur, seine Wohnung, seine Freunde. Die Flucht kostet seine gesamten Ersparnisse, rund 4.000 € verlangen die Schlepper für die gefährliche und lange Reise. Ohne Garantie auf Erfolg. „Selbst wenn man den Schleppern sein ganzes Geld überlässt, heißt das nicht, dass man auch wirklich ankommt. Wenn Du unterwegs nicht mehr kannst, wirst du zurückgelassen. Es gibt nur eine Möglichkeit, um zu überleben: weitergehen.“ sagt er. Mohammad reist zunächst nach Istanbul, wo er über einen Bekannten zu den Schleppern Kontakt aufnimmt. Kurz darauf folgt ein zweitägiger Marsch durch die Berge, zusammen mit zahlreichen anderen Flüchtlingen. Als die Gruppe in der Nähe von Izmir das Boot erreicht, das sie nach Italien bringen soll, befallen ihn erste Zweifel. Die Schlepper haben natürlich vorher nur Positives berichtet, über den vermeintlich problemlosen Marsch …

Mohssine, 23

  Geboren und aufgewachsen ist Mohssine in Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Nachdem er eine Zeit lang in Libyen lebte, floh er nach Italien. Doch aufgrund der katastrophalen Zustände, die dort herrschten, flüchtete er weiter nach Deutschland. Vor neun Monaten kam er in Dortmund an. Anfangs lebte Mohssine in der Übergangseinrichtung Adlerstraße 44. Mit Unterstützung des Projekts Ankommen konnte „Marokko“ – wie er dort von vielen genannt wurde – aber vor kurzem seine eigene kleine 1-Zimmer-Wohnung beziehen. Der junge Mann ist ein eher schüchterner Zeitgenosse, der nicht viel von sich erzählen mag und nur sehr verhalten auf unsere Fragen antwortet. Sicherlich auch deshalb, weil er noch auf seinen Asylbescheid wartet und das Risiko besteht, dass er nach Italien ausgewiesen wird. Aufgrund der schlechten Zukunftsaussichten möchte er aber nicht dorthin zurück.   Mohssine möchte auch nicht zurück nach Marokko. Laut Amnesty International werden die Menschenrechte dort massiv eingeschränkt. Die Presse ist nicht frei, Minderheiten werden verfolgt, es gibt willkürliche Inhaftierungen und Misshandlungen. Hinzu kommen eine generell schlechte wirtschaftliche Lage und eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Aussichten und …