Interviews

Mohssine, 23

 

Geboren und aufgewachsen ist Mohssine in Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Nachdem er eine Zeit lang in Libyen lebte, floh er nach Italien. Doch aufgrund der katastrophalen Zustände, die dort herrschten, flüchtete er weiter nach Deutschland. Vor neun Monaten kam er in Dortmund an.

Anfangs lebte Mohssine in der Übergangseinrichtung Adlerstraße 44. Mit Unterstützung des Projekts Ankommen konnte „Marokko“ – wie er dort von vielen genannt wurde – aber vor kurzem seine eigene kleine 1-Zimmer-Wohnung beziehen.

Der junge Mann ist ein eher schüchterner Zeitgenosse, der nicht viel von sich erzählen mag und nur sehr verhalten auf unsere Fragen antwortet. Sicherlich auch deshalb, weil er noch auf seinen Asylbescheid wartet und das Risiko besteht, dass er nach Italien ausgewiesen wird. Aufgrund der schlechten Zukunftsaussichten möchte er aber nicht dorthin zurück.

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Mohssine möchte auch nicht zurück nach Marokko. Laut Amnesty International werden die Menschenrechte dort massiv eingeschränkt. Die Presse ist nicht frei, Minderheiten werden verfolgt, es gibt willkürliche Inhaftierungen und Misshandlungen. Hinzu kommen eine generell schlechte wirtschaftliche Lage und eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Aussichten und Lebensbedingungen sind vor allem für junge Menschen miserabel. „Als junger Mensch ist man in Marokko nicht frei, man muss ständig aufpassen, was man sagt oder tut“, berichtet Mohssine. Erst 2013 mussten sich zwei Schüler wegen eines Kuss-Fotos auf Facebook vor Gericht verantworten. Trotzdem drängen einige deutsche Parteien darauf, Marokko als „sicheren Herkunftsstaat“ einzuordnen.

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Mohssine hofft, dass er in Deutschland bleiben darf, weil er hier mittlerweile viele Freunde hat. Sein Wunsch ist es, eine Schule zu besuchen, um anschließend eine Ausbildung machen zu können. Zwar hat er schon in vielen handwerklichen Bereichen Erfahrungen gesammelt, aber noch keine „richtige“ Ausbildung absolviert.
Der 23-Jährige ist sehr hilfsbereit und unterstützt tatkräftig andere Flüchtlinge, die eine eigene Wohnung beziehen können. Er möchte etwas von der Hilfe, die er bekommen hat, an sie weitergeben.

Nachtrag: Mohssines Gesuch auf Asyl wurde inzwischen abgelehnt; er soll nach Italien abgeschoben werden, da er dort bereits als Flüchtling registriert wurde. Durch Spendenaufrufe in sozialen Netzwerken konnte ein Anwalt für die Einreichung des Widerspruches organisiert werden. Zurzeit befindet sich Mohssine in Kirchenasyl.

Update Dezember 2015. Mohssines Widerspruch war erfolgreich, sein Asylantrag wurde aber noch nicht genehmigt. Mittlerweile ist er glücklich mit seiner deutschen Frau verheiratet, er möchte bald eine Ausbildung zum Möbeltischler beginnen. Mehr dazu in Kürze auf unserer Facebookseite.

Text und Fotos: © Alexandra Breitenstein

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