Alle Artikel mit dem Schlagwort: Beruf

Mohammed, 22

Spätsommer 2015: Mehrere tausend Flüchtende unterschiedlicher Herkunft durchqueren Mazedonien zu Fuß – auf der Autobahn. Unter ihnen auch Mohammed, ein junger Mann aus der Stadt Aleppo im Norden Syriens. In Syrien ist es relativ leicht, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Durch den Bürgerkrieg herrschen im Land verschiedene Gewalten: die Soldaten von Assads Regime, die Rebellen der Opposition und die Terroristen. Mohammed möchte nicht erzählen, mit welcher dieser Parteien er Probleme bekommen hat und auch nicht, warum. Zu groß ist seine Sorge um seine Familie. Familien werden oft als Druckmittel eingesetzt und bedroht, entführt, gefoltert oder sogar ermordet. Der junge Syrer flieht Hals über Kopf mitten in der Nacht zum Jahreswechsel 2014/15 – bei sich hat er nur einen Rucksack mit dem Notwendigsten. „Ich bezahlte einem Schlepper viel Geld, damit er mich ungesehen in die Nähe der türkischen Grenze bringt. Zwei Tage musste ich warten, dann überquerte ich nachts die Grenze in einem Waldstück, fernab von den Grenzsoldaten. Ich möchte nicht daran denken, was passiert wäre, wenn sie mich entdeckt hätten.“ In der Türkei …

Fares, 25 & Nasser, 32

Wohngemeinschaften entstehen oft aus rein praktischen Gründen, wenn man z. B. in eine andere Stadt zieht und kein Geld für eine eigene Wohnung hat. Nicht so bei Fares und Nasser. Die beiden Syrer lernten sich vor einigen Monaten in der Unterkunft Adlerstraße 44 kennen. „Es war sozusagen Freundschaft auf den ersten Blick“, lachen die beiden jungen Männer, die sich durch ihre ruhige Art ähneln. Seit Kurzem teilen sie sich eine 3-Zimmer-Wohnung im Dortmunder Unionviertel. „Wir hatten einfach Glück im Unglück – die Vermieterin des Hauses hat angerufen und dem Verein sehr kurzfristig eine Wohnung angeboten. Die Entscheidung fiel in wenigen Stunden.“ Bei der Einrichtung half das Projekt Ankommen durch die Vermittlung und Bereitstellung von Spenden; andere Freiwillige und Freunde unterstützen bei Umzug und Renovierung. Eine reine Männer-WG – kann das gut gehen? „Das geht gut. Kochen können wir beide, den Haushalt teilen wir uns, jeder macht das, was er am besten kann. Wir haben ja auch viel Zeit.“ Das ist sowohl für den 25-jährigen Fares als auch den 32-jährigen Nasser eine neue Situation, denn in …

Jude, 31

Am ersten Weihnachtstag 2011 verübt die radikal-islamische Terrororganisation Boko Haram in mehreren Städten Nigerias Bombenanschläge auf christliche Kirchen. In Madalla, unweit der nigerianischen Hauptstadt Abuja, explodiert eine Autobombe vor der St. Theresa Catholic Church. Mehr als 35 Menschen sterben – darunter vier von Judes Brüdern. „Einer meiner Brüder, meine schwangere Frau und ich sind an diesem Tag nicht zur Kirche gegangen, weil sich meine Frau nicht wohlfühlte. Kurz nachdem die anderen zur Weihnachtsmesse gegangen waren, gab es eine laute Explosion. Wir lebten in der Nähe der Kirche – das Dach unseres Hauses flog weg, so stark war die Explosion. Meine Frau wurde ohnmächtig. Es war grauenvoll. Wir hörten Schreie. Lärm. Sahen das Chaos. Wir wussten nicht, ob meine Mutter und meine Brüder überlebt hatten.“ Die lokalen Behörden sind völlig überfordert. Es gibt keine ausreichende medizinische Versorgung für alle Opfer, vor allem fehlt es an Krankenwagen, um die Verletzten in die umliegenden Hospitäler zu bringen. Als Faith, Jude und sein Bruder zum nächsten Krankenhaus eilen, erfahren sie, dass Mutter und Brüder unter den Vermissten sind. Nach …

Radomir, 67

In seinem früheren Leben war Radomir ein Meisterkoch, in den 80er Jahren zählte er mehrmals zu den Erstplatzierten in nationalen Kochbewerben. Er arbeitete in Hotels und Restaurants auf dem gesamten Balkan, einige Jahre sogar in Bonn, weshalb er heute Anspruch auf eine minimale deutsche Rente hat. Doch als der Krieg Anfang der 90er Jahre über die Balkanstaaten hereinbrach, änderte sich alles.

Mohammad, 31

Mohammads Geschichte beginnt wie die vieler anderer Menschen  im kriegszerrütteten Syrien. Geboren und aufgewachsen in Damaskus, leidet er unter dem Krieg und beschließt 2014, alleine die gefährliche Flucht nach Europa zu wagen. Er lässt ein ganzes Leben zurück: seine Eltern und seine Geschwister, seinen Job als Maler und Dekorateur, seine Wohnung, seine Freunde. Die Flucht kostet seine gesamten Ersparnisse, rund 4.000 € verlangen die Schlepper für die gefährliche und lange Reise. Ohne Garantie auf Erfolg. „Selbst wenn man den Schleppern sein ganzes Geld überlässt, heißt das nicht, dass man auch wirklich ankommt. Wenn Du unterwegs nicht mehr kannst, wirst du zurückgelassen. Es gibt nur eine Möglichkeit, um zu überleben: weitergehen.“ sagt er. Mohammad reist zunächst nach Istanbul, wo er über einen Bekannten zu den Schleppern Kontakt aufnimmt. Kurz darauf folgt ein zweitägiger Marsch durch die Berge, zusammen mit zahlreichen anderen Flüchtlingen. Als die Gruppe in der Nähe von Izmir das Boot erreicht, das sie nach Italien bringen soll, befallen ihn erste Zweifel. Die Schlepper haben natürlich vorher nur Positives berichtet, über den vermeintlich problemlosen Marsch …

Mohssine, 23

  Geboren und aufgewachsen ist Mohssine in Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Nachdem er eine Zeit lang in Libyen lebte, floh er nach Italien. Doch aufgrund der katastrophalen Zustände, die dort herrschten, flüchtete er weiter nach Deutschland. Vor neun Monaten kam er in Dortmund an. Anfangs lebte Mohssine in der Übergangseinrichtung Adlerstraße 44. Mit Unterstützung des Projekts Ankommen konnte „Marokko“ – wie er dort von vielen genannt wurde – aber vor kurzem seine eigene kleine 1-Zimmer-Wohnung beziehen. Der junge Mann ist ein eher schüchterner Zeitgenosse, der nicht viel von sich erzählen mag und nur sehr verhalten auf unsere Fragen antwortet. Sicherlich auch deshalb, weil er noch auf seinen Asylbescheid wartet und das Risiko besteht, dass er nach Italien ausgewiesen wird. Aufgrund der schlechten Zukunftsaussichten möchte er aber nicht dorthin zurück.   Mohssine möchte auch nicht zurück nach Marokko. Laut Amnesty International werden die Menschenrechte dort massiv eingeschränkt. Die Presse ist nicht frei, Minderheiten werden verfolgt, es gibt willkürliche Inhaftierungen und Misshandlungen. Hinzu kommen eine generell schlechte wirtschaftliche Lage und eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Aussichten und …